Le Grand Tour 2022

 

 

Teil 5: Das Meer ruft!

Ich habe mich also doch nicht aufgerafft, noch einmal nach Lyon zurück zu radeln, um Fotos zu machen. Stattdessen habe ich einen lazy-day auf dem Camping in St. Denise Laval verbracht, habe die letzte Seite dieses Reiseblogs aktualisiert und war immer auf der Suche nach Schatten, was auf dem Platz nicht ganz leicht war.

Schwierig gestaltete sich auch mal wieder die Ernährung. Der Camping hatte keinen Imbiss, nur frisch gezapftes Bier gab es hier (bis 19:00 Uhr). Den Abend zuvor hatte ich auf den Weg zum Camping einen kleinen Carrefour gesehen, der bis 22 Uhr auf hatte und bei dem ich mir Salat und Wraps gekauft hatte. An diesem Sonntag wollte ich aber eines der drei Restaurants im 3 km entfernten Valliéres ausprobieren, von denen mir die Frau erzählt hatte, die den Camping managt.

Tatsächlich fand ich die Restaurants auch, aber alle hatten geschlossen. Auch ein riesiges Multiplex-Kino gab es hier, das allerdings ebenfalls ziemlich zu aussah. Sonntag scheint hier nicht der Tag zu sein, an dem man ausgeht.

Also wieder hoch nach St.-Genis-Laval-Zentrum, wo am Vorabend ein Pizza-Wagen gestanden hatte, der aber heute natürlich verschwunden war. Schließlich wurde es dann der Döner-Laden im Ort - das einzige, was hier am Sonntag Abend auf zu haben scheint.

Am nächsten Tag dann weiter gen Süden. Der Radweg, der die Rhône entlang nach Süden führt, ist die Via Rhôna. Ein holländischer Radler, der von Süden auf den Camping gekommen war, hatte mir allerdings am Abend zuvor berichtet, dass der Weg zwischen Givors und Lyon eine einzige Baustelle ist und er letztlich auf irgendeinem Firmengelände gelandet war statt in Lyon.

Ich war daher nicht unglücklich, dass die Route, die ich mit Komoot geplant hatte, mich nicht zurück nach Lyon sondern durchs Hinterland, entlang eines Radwegs an dem kleinen Flüßchen Garon direkt nach Givors führte. Dem Höhenprofil nach schien es, obwohl das Hinterland natürlich hügelig ist, auch weitgehend abwärts zu gehen. Nicht eingeplant war allerdings eine Baustelle auf der Route (ein Bahnübergang war gesperrt), und die Umleitung ging natürlich steil einen Berg hinauf (Schieben war mal wieder angesagt!).

Und nach rasanter Abfahrt ging's gleich, diesmal geplant, noch einmal hoch, diesmal nicht ganz so steil, direkt auf eine Obstplantage, ...

... mit malerischer Aussicht ins Rhône-Tal.

Dann wieder bergab und über eine Landstraße nach Givors.

Und schließlich auf den Rhône-Deich, ...

... der sogar ein wenig Schatten bot, ...

... allerdings nur hin und wieder einen Blick auf die Rhône zuließ.

Der nächste größere Ort auf meiner Seite des Flusses war Sainte Colombe, das einen schönen Blick auf das auf der anderen Seite liegende Vienne bot.

Ich blieb aber auf der rechten Seite der Rhône, ...

... die auch einige nette Anwesen zu bieten hatte.

Weiter ging's auf den Rhône-Deich, jetzt weniger schattig.

Da kam dieser Imbiss am Wegesrand kurz vor Ampuis sehr gelegen.

Rast mit Schatten und Ausblick.

Aber jede Pause hat ein Ende. Weiter ging's ...

mit nur wenig Schatten.

Bei Chavanay vorbei an einem Atomkraftwerk, mit denen die Rhône ja reichlich bebaut wurde.

Rastplatz auf der Ile de la Platiere mit Industrieromatik. Um diesen wenigstens ein wenig schattigen Platz zu finden, war ich etwas vom Radweg abgefahren und erstaunt, hier auf einen anderen, französischen Radler zu treffen. Er war allerdings nicht am Schatten interessiert, sondern stand dicht am Rhône-Ufer in der prallen Sonne, um mit deren Wasser sein Rennrad zu säubern.

Lang ist der Radweg ...

... und sonnig dazu (jetzt auf der anderen Rhône-Seite).

Aber schließlich: Saint Valliere sur Rône, mein Tagesziel. Hier schon im Döner- und Tacco-Laden des Ortes, ...

in dem ich zwar einen Lebensmittelladen gefunden hatte, in dem ich halal einkaufen konnte. Bier oder Wein gab es in dem Ort aber offenbar nicht.

Auch nicht in dem Döner-Laden. So wurden es dann zwei alkoholfreie Biere mit Ananassaft, Radler der besonderen Art gewissermaßen. Schmeckten aber gar nicht mal schlecht.

Am nächsten Tag: Weiter die Rhône entlang, jetzt wieder auf der rechten Seite.

Über die Mündung des kleinen Flüsschens Deux, ...

... vorbei an Tournon sur Rhône, ...

...auf der anderen Seite: Tain-l'Hermitage.

Und weiter ...

... auf dem schattenlosen Deich. Hier schon wieder auf der linken Rhône-Seite, was eigentlich nicht mein Plan gewesen war. Ursprünglich hatte ich die Via Rhôna bei Glun verlassen und auf dem rechten Ufer einem kleineren lokalen Radweg folgen wollen. Beim Versuch, dies zu tun, landete ich jedoch auf einem völlig zugewachsenen Single-Trail, der mit Gepäck nicht zu fahren war, und mußte reumütig auf die Via Rhôna zurückkehren, die auf der anderen Rhône-Seite durch Valence führt.

Hier schon die Centrale electrique de Bourg-les-Valence.

Und dann taucht in der Ferne die Stadt selbst auf.

Der Radweg führt dann bergauf und bergab quer durch die Stadt. Keine Zeit für Fotos. Hier schon die Rast an der Ausfahrt aus der Stadt.

Weiter geht's dann wieder schattenlos auf der rechten Rhône-Seite. Meine Wasservorräte neigten sich dem Ende zu. In Sayons fand ich ein kleines Lebensmittelgeschäft und ...

... kurz danach bietet der Weg einen Blick auf einen Turm schon im Massif de Guercy (Trou du Renard?).

Wegen der vielen Sonne, die mir zunehmend zu schaffen machte, beschloss ich, die Tour für diesen Tag abzukürzen, und übernachtete schon auf einem Camping in Charmes sur Rhône (Diesmal sogar mit einem kleinen Restaurant am Zeltplatz!).

Am nächsten Tag wieder schattenlos auf dem Rhônedeich.

Vorbei an der Usine hydroélectrique de Beauchastel, ...

... im großen Bogen um die Mündung des L'Eyrieux, ...

bei La Voulte sur Rhône erneut auf die andere Rhône-Seite und dort per Fahrradbrücke über die Mündung des Flüsschens La Drôme, ...

... bei Le Pouzin wieder auf die rechte Rhône-Seite ...

entlang der Landstraße durch den Ort, ...

... und dann kurz hinter Cruas vorbei an einem riesigen AKW.

Man fährt nahezu über das Betriebsgelände.

Dann wieder beschaulich entlang der Rhône und bei Rochemaure ein wenig ins Hinterland.

Château des Rochemaure

Dann über die Pont du Rochemaure, eine Fahrrad-Hängebrücke. Die Überfahrt in zwei Teilen ist ein Erlebnis. Stahl-Netze an den Seiten würden zwar verhindern, dass man in den Fluß fällt, wenn man bei der klapperigen Überfahrt vom Weg abkommt. Die Frage ist nur, ob man sich und das beladene Fahrad dann auch wieder aufrichten könnte. Also Hände fest am Lenker, stur geradeaus - und durch!

Kurz vor Châteauneuf sur Rhône

Blick auf Viviers, wo es wieder auf die rechte Rhône-Seite geht.

Südlich von Viviers: Blick auf die linke Seite des Flusses

ebenso, einige Kilometer später.

Zwei Stunden später endlich: Ankunft auf dem Camping in Bourg Saint Andéol mit Restaurant (hier mein großes Panaché zur Ankunft) ...

... und Swimming-Pool!

In Bourg Saint Andéol wollte ich einen Tag Pause einlegen. Die viele Sonne der letzten Tage hatte mir doch zugesetzt und es war auch immer wärmer geworden, nachmittags jetzt immer um die 30°C und darüber. Zudem war (und ist) der 14. Juli in Frankreich Nationalfeiertag in Erinnerung an den Sturm auf die Bastille vor 233 Jahren - und ich musste Wäsche waschen. Mit einem Tag Pause konnte ich alles gewissermaßen in einem Aufwasch hinter mich bringen. Und vielleicht würde ich es dann am Folgetag auch mal schaffen, vor 11 Uhr auf der Strasse zu sein, was bei der Hitze sicher von Vorteil wäre.

Nach der Wäsche (der Camping hatte eine Waschmaschine) und einem Bad im Swimming-Pool, um die Wartezeit zu vertreiben, war am nächsten Tag also Zeit, die Stadt zu besichtigen, ...

... die zunächst eher verlassen schien. Nur einzelne Menschengruppen strömten ...

... zum zentralen Platz des Ortes, wo dann schon Volksfeststimmung herrschte. Alle Cafés gut gefüllt, aus einem Lautsprecher tönte Musik, einen Trödelmarkt gab es hier und auch einen Stand des Festkommitees. Die Getränke schienen mir subventioniert, jedenfalls hatte ich noch nie auf dieser Reise nur 1,80 € für eine große Limonade gezahlt.

Nach zwei dieser Getränke bin ich dann weiter durch den Ort geschlendert ...

... und traf auf der Uferstrasse auf die Parade, die wohl in einem großen Bogen durch den Ort auf dem Weg zum Platz war. Den Wagen mit den drei rosaroten Grazien konnte ich leider nicht mehr fotografieren, aber für diese Musikergruppe, die den Abschluß des Umzugs bildete, hat es noch gereicht.

Am Abend dann noch ein Entrecôte im Camping-Restaurant (das beste, das ich auf der ganzen Fahrt hatte) und früh ins Bett, denn am nächsten Tag wollte ich ja mal früher los! Wecker auf 7:00 Uhr.

Das mit dem Aufstehen klappte auch ganz gut, schon kurz vor 9 Uhr hatte ich gepackt, gefrühstückt und war auf der Straße, auch wenn dies nicht ganz die Zeit ist, die ich normalerweise mit dem Beginn eines Urlaubstages verbinde.

Aber es war tatsächlich noch deutlich kühler, so um die 23°C ...

... und der Weg führte zunächst auch schattenreich ...

... über eine riesige Rhône-Insel.

Dann, als die Sonne schon wieder höher stand, ging's wieder auf die linke Rhône-Seite und auf den schattenlosen Deich, in großem Bogen um Orange herum.

Na gut, manchmal gab's ein bisschen Schatten, um den Kopf zu kühlen.

Schließlich führt der Weg wieder ins Hinterland zu dem Örtchen Caderousse, der als Schutz vor Überschwemmungen vollständig von einem Deich umgeben ist.

Dann entlang enes Seitenarms der Rhône wieder zurück zum Fluß und auf die andere Seite, ...

... wo ein kleiner Bach ...

... zur Rast einlud.

Eine richtige Pause dann aber erst ein wenig später in Roquemaure, wo eine Konditorei sogar für Verpflegung sorgte.

Zudem gab's am Ende des Ortes auch einen kleinen Carrefour, um die Getränkevorräte aufzufüllen. Mittlerweile stand die Sonne im Zenit und die 30° C waren wieder erreicht. Ich konnte mir auf dem Parkplatz also ruhig noch einen kleinen Café gönnen.

Weiter ging's ein Stück im Hinterland, ...

... und natürlich führte der Weg kurz vor dem Örtchen Saurterre noch auf einem Schotterweg steil über einen Berg.

Die Via Rhôna verläuft hier eigentlich auf der anderen Seite des Flusses und erreicht Avignon vom Hinterland her, aber auch auf dieser Seite muss der Weg wohl einmal entlang gegangen sein. Jedenfalls gab es hier plötzlich wieder (schon ganz verblichene) Via-Rhôna-Schilder.

Weiter ging's durch Obstplantagen ...

... und pittoreske Landschaft, schließlich auf der Landstrasse an Villeneuve-lés-Avignon vorbei ...

... und auf die Pont de Royaume, die nach Avignon hinein führt. Aber nichts von Sur le pont d’Avignon, on y danse, on y danse ..., jetzt konnte man von hier die Waldbrände südlich der Stadt bestaunen, die hier am Tag zuvor sogar für Ascheregen gesorgt hatten.

Blick auf Avignon, wo übrigens zur Zeit meines Besuchs ein Theater-Festival stattfand. Von den Flyern zum Festival lernte ich mit meinem sehr rudimentären Französisch immerhin, dass man sowohl en vélo als auch a vélo sagen kann. Reisen bildet eben doch!

In Avignon entschied ich auch, grundlegend umzuplanen. Trotz frühen Aufstehens war die Fahrt an diesem Tag anstrengend gewesen, der frühe Start hatte mich nicht wirklich vor der Hitze bewahrt (vor der Sonne sowieso nicht). Und in der kommenden Woche sollten die Temperaturen hier eher auf fiebrige 40°C zugehen, sie zum Teil wohl auch übersteigen. Nicht unbedingt die besten Bedingungen für eine entspannte Radtour am Canal du Midi.

Heike, die mich ursprünglich in Bordeaux abholen wollte, hatte zudem beschlossen, Luzie, die mich ein Stück des Weges begleiten und eigentlich schon per Bahn in Lyon zu mir gestoßen sein wollte, mit dem Auto nach Südfrankreich zu bringen und sich selbst, während wir radeln, hier irgendwo nett einzuquartieren. Wobei 'nett' bei 40°C ja auch eher relativ ist.

Kurz: All dies fühlte sich nicht mehr wirklich nach Urlaub an! Ich entschied daher, den letzten Teil der Tour, den Canal des Deux Mers entlang nach Bordeaux, auf ein anderes Mal (in einer anderen Jahreszeit) zu vertagen, diese Tour in Arles zu beenden und von dort nur noch einmal ans Mittelmeer zu radeln.

Am nächsten Tag ging es also nur die 44 km bis nach Arles mit einem kleinen Umweg über Aramon, da ich vom dortigen Supermarkt noch Verpflegung brauchte. Ich folgte auch nicht der Via Rhôna, die auf der rechten Rhône-Seite einen großen Bogen machte, sondern habe schon in Aramon die Seite gewechselt und bin dort über die Landstraße D35 direkt ...

... nach Tarascon gefahren.

Der hübsche Ort lud zu einer längeren Rast ein.

Und nach einiger Zeit erkannte ich auch den Grund für all die Sperrgitter auf den Straßen.

Zwei Stunden später sollte es hier einen Stierkampf geben, ...

... auf den ich allerdings verzichtet habe. Weiter ging's auf dem sonnigen Radweg ...

... bis nach Arles. Genauer gesagt bis nach Pont de Crau, einem südlich gelegenen Vorort, wo mir der Campingplatz mehr zusagte.

Am nächsten Tag kamen dann Heike und Luzie und wir hatten sogar noch Zeit für ein wenig Sightseeing in Arles. Hier der futuristische Tour Luma im neuen Parc des Ateliers, einem ehemaligen Bahn-Betriebsgelände, das sehr aufwändig (und gelungen) in ein Künstler- und Kulturzentrum mit Park umgewandelt wurde.

Und am Tag darauf dann, zusammen mit Luzie, die letzte Etappe dieser Tour: Die Via Rhône entlang zum Mittelmeer.

Es waren wieder 37°C und der Radweg, der hier am Rand der Crau verläuft (einer der letzten Stein- oder Schottersteppen, die sich einst an der Mittelmeerküste entlang zogen), bot mal wieder so gar keinen Schatten.

Die 42 km zogen sich so etwas ...

... und der Wind kam natürlich aus Richtung Meer, also von vorn.

Schließlich ging's über den Canal du Rhône a Fas und dann über die Landstraße ...

... nach Port Saint Louis du Rhône ...

... und weiter nach Port Napoleon, der im Wesentlichen ein großer Hafen mit Werft für (Luxus-)Yachten ist, den man aber auch als Besucher betreten kann. Hin und wieder werden hier wohl auch Yachten versteigert.

Wir fanden hier hinter einigen Containern sogar ein schattiges Plätzchen ...

... und auch den passenden Ort für das Abschlussfoto für diese Tour - nach 6 Wochen und 2096 km von Panketal, dem Ausgangspunkt dieser Tour entfernt.

Heike hat uns dann mit dem Auto abgeholt, so dass wir beim Abendessen am Camping-Imbiss in Pont de Crau nicht völlig geschafft waren.

 


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