Le Grand Tour 2022

 

 

Teil 3:
Von Frankfurt/M. an den Rhein und nach Freiburg

Nach zwei Sitzungstagen in einer anderen Welt, konnte es schon am zweiten dieser Tage weitergehen, da die letzte Sitzung schon am frühen Nachmittag beendet war. Statt noch eine Nacht in dem Hotel zu verbringen, beschloß ich, lieber noch ein paar Kilometer bis auf einen Zeltplatz zu radeln.

Anders als ursprünglich geplant wollte ich aber nicht am Main entlang Richtung Mainz radeln, sondern südlich aus Frankfurt heraus, diagonal direkt zum Rhein.

Aber Frankfurt liegt nun mal am Main, und nachdem ich die Innenstadt durchquert hatte, musste ich auch über den Fluß.

Zeit für eine erste Rast am Flußufer und einen entspannten Blick auf die futuristische Skyline. Diese Rast sollte sich bewähren, denn ..

... der Radweg südlich aus Frankfurt heraus führt über den Letzten Hasenpfad, einige Kilometer mit satten 4-6% Steigung. Danach aber durch den malerischen Frankfurter Stadtwald nach Neu-Isenburg ...

...und weiter über nette Wege zu meinem Zeltplatz bei Offenthal. Außer den Dauercampern war ich der einzige Gast. Und da Offenthal, anders als der Frankfurter Stadtwald, schon südlich der Einflugschneise zum Frankfurter Flughafen liegt, gab es auch von oben keinerlei Störung der Nachtruhe.

Am nächsten Tag ging's schön weiter. Ziel war ein Camping noch rechts-rheinisch kurz vor Worms.

Dann meinte Komoot allerdings, dass es doch auch mal schön wäre, auf einer großen Landstraße zu fahren - die B3 hat zwar einen Nothalte-Streifen, aber ein Fahrradweg ist etwas anderes! Wann immer man von einem LKW überholt wird (und da fahren viele!), wird man fast von der Straße geweht.

Aber schließlich kam ich nach Darmstadt - böse Zungen sprechen auch von Merck-City. Hier Rast in Darmstadt City mit Blick auf Fahrrad und Hubschrauber-Landeplatz.

Weiter ging's dann wieder über richtige Radwege, allerdings gab es keine netten Cafés auf der Strecke, ...

... daher Rast am Rande einer Landstraße - mit interessanter Geräusch-Kulisse:

Rest-Natur trifft automobile Gesellschaft.
 

Am Nachmittag dann endlich am Rhein: Gernsheim.

Allerdings hat man in dem eigentlich schönen Ort nicht den Eindruck, dass der Rhein hier eine Rolle spielt. Nur eine Werft nutzt den Fluß.

Einige Zeit später dann auf dem Zeltplatz in der Nähe von Bilblis. Unweit des AKW betreibt hier ein älteres Ehepaar einen Freyzeit-Park an einem kleinen See. Ich hatte mir bei dem Namen etwas Größeres vorgestellt, wurde aber herzlich empfangen und am Golfplatz nebenan gab es auch eine brauchbare Pizzeria.

Am nächsten Tag über die Rhein-Brücke nach Worms. Nach der Brücke landet man in alten Hafenanlagen, oder besser -ruinen. Kurz: der Ort hat mich nicht zum näheren Besuch gereizt. Wahrscheinlich habe ich etwas verpasst.

Weiter ging's, ....

... jetzt tatsächlich immer am Rhein entlang ...

... Richtung Ludwigshafen.

Ludwigshafen könnte man ja auch als BASF-City bezeichnen. Hier einer der vielen Werkzugänge, sinnigerweise über die Ammoniakstraße.

Kurz vor meinem Ziel, Speyer, fing es an zu regnen, das erste Mal auf dieser Fahrt, so dass ich doch tatsächlich die Regen-Sachen auspacken musste. Immerhin fand sich ein Bäcker mit Überdachung für einen Kaffee mit Kuchen zuvor.

In Speyer habe ich einen Tag Pause eingelegt. Die viele Sonne auf der Tour machte mir zu schaffen und auch der Magen grummelte.

Die Stadt ist tatsächlich sehr schön, allerdings auch voller Touristen

Und der Tag war wieder Sonne pur! Ich habe mich deshalb lieber an ein schattiges Plätzchen am Rhein zurück gezogen.

Als ich zum Zeltplatz zurück kehrte, traute ich meinen Augen nicht: Am Tag zuvor, als ich angekommen war, war er nur mäßig belegt gewesen. Jetzt plötzlich: knallvoll! An diesem Wochenende, so erfuhr ich, war am nahe gelegenen Hockenheim-Ring nämlich ein Metallica-Konzert und der Zeltplatz in Speyer für viele Fans wohl Anlaufpunkt zur Übernachtung. Alles nette Jungs, aber da der Platz ohnehin nur zwei Container als Sanitäranlage hatte, stellte sich (auch hygienisch) so richtiges Festival-Feeling ein.

Es tat es gut, am nächten Tag weiter zu fahren - weiter am Rhein entlang, oder zumindest nahe bei.

Festungsanlagen in Germersheim - noch aus der Zeit, als es mit der deutsch-französischen Freundschaft nicht soweit her war.

In Germersheim habe ich dann eine eine Passantin gefragt, was das für Früchte sind, deren Matsch schon auf dem Zeltplatz überall herumgelegen hatte, und der auch hier die ganzen Straßen zusaute. Es sind, so lernte ich, Maulbeeren, die ich bislang nur dem Namen nach kannte. Es gibt rote und weiße (hier die Weißen) und die Dame, die ich da fragte, verriet mir, dass sie früher als Kinder um diese Zeit immer in den Bäumen gesessen hätten, um sich damit den Bauch voll zu schlagen.

Und weiter immer auf dem Rheindeich, ...

... der manchmal wg. Baustellen aber auch gesperrt ist ...

... was Umleitungen erzwingt, die zwar gut ausgeschildert sind, mein Navi aber in höchste Aufregung versetzt haben: "Sie haben die Route verlassen, jetzt umkehren!".

Ziel des Tages war das schon französische Lauterbourg im Elsaß und der Weg dorthin ...

... führte durch malerische Landschaft. Das letzte größere Dorf auf deutscher Seite heißt übrigens Berg - und ratet mal, warum das so ist!

Lauterbourg City.

Und der wunderschöne Zeltplatz an einem See gelegen. Ich schaffte gerade noch, das Zelt auf zu bauen ...

... bevor es wie aus Kübeln anfing zu regnen. Wurde also nichts mit Abendessen auf der Terasse!

Am nächsten Tag wieder strahlende Sonne! Über Radwege an der Straße im französischen Stil, ...

... und auf dem Rheindeich ....

... ging es auch durch das sehr schöne Naturreservat Delta der Sauer.

Immer noch im Naturreservat.

Dann mit der Fähre wieder auf die deutsche Seite und durch die Rastatter Rheinaue ...

... wieder zum Rheindeich, der hier allerdings nur ein (vor allem mit Gepäck) schlecht zu befahrener Schotterweg ist. Nach einigen Kilometern in praller Sonne (hier bei Rheinkilometer 333) war ich ziemlich genervt. Das Radfahren auf dem Deich frei zu geben, macht aus diesem doch noch keinen Radweg! Ich hätte wohl besser auf der französischen Seite bleiben sollen. Die Wege sollen dort, wie ich später erfuhr, wohl erheblich besser sein.

Zwischendurch wurde die Schotter-Monotonie immerhin eine Zeit lang unterbrochen. Um eine Rheinschlaufe abzukürzen, lenkte mich Komoot weg von Rhein durch kleine Dörfer: Hier Lichtenau.

Und hier die Einfahrt nach Scherzheim. Der Ort heißt wirklich so!

Danach aber wieder Schotter, auch abseits des Rheindamms. Mir machten Sonne und Hitze (immerhin 29° C) zu schaffen. Die erste Tube Sonnencreme, Schutzfakor 50 hatte ich schon fast aufgebraucht!

Schließlich nach weiteren endlosen Kilometer Schotterweg auf dem Damm: Das Industriegebiet von Kehl, mein Ziel des Tages. (Der Zeltplatz in Staßburg auf der anderen Rhein-Seite ist meiner Erfahrung nach sowieso immer ausgebucht.)

Fußgänger-Zone Kehl-City.

Am Zeltplatz dann auch hier das große Schild: "Ausgebucht". Aber für einen alten Radfahrer mit einem kleinen Zelt - auf einem der vorherigen Zeltplätze hatten sie von Dackelhütte gesprochen - war natürlich noch Platz.

Am nächsten Tag sollte es dann die verbleibenden 80 km nach Freiburg gehen. Nachts hatte es wieder aus Kübeln geschüttet und es war noch leicht bewölkt - eine Wohltat! Zudem führte meine Route jetzt auch weg vom Rheindamm, fast durchweg auf asphaltierten Wegen ...

... durch nette kleine Örtchen ...

... und schöne Natur.

Kappeln Rathaus.

Schließlich kam ich durch einen Ort, der nur aus Hotels und Pensionen zu bestehen schien: Rust. Wie ich auf Nachfragen erfuhr, liegt er ganz in der Nähe des Europaparks, einer Art deutschen Disneylands, und beherbergt praktisch all dessen Gäste.

Entsprechend fancy müssen die Gebäude natürlich aussehen!

Um nach Freiburg zu kommen, musste ich um den Kaiserstuhl herum. Ich glaube, hier ist er von weitem zu sehen. Näher dran sieht man ihn dann nicht mehr, wahrscheinlich, weil man schon halb drauf ist.

Und auch den ersten Weinberg gab's bei Hecklingen zu besichtigen.

Letzlich zog sich die Strecke aber doch. Die Sonne vertrieb zunehmend die Wolken, es war schwül und wieder an die 30′ C.

Die Lust auf Fotos-Machen ist mir etwas vergangen ...

... und ich war froh, als ich am frühen Abend bei Lukas in Freiburg ankam - ziemlich geschafft!

 

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