Le Grand Tour 2022
Teil 4b: Vom Rhein zur Rhône II - Besançon bis Lyon
Nach den zwei Tagen Pause ging's weiter Richtung Dole.
Durch Schaden klug geworden hatte ich mir Komoots Reiseplan genauer angeguckt und gesehen, dass die Route, wie es schien, direkt über den Zitadellenberg führte. Umso größer meine Freude, dass es sich bei der direkten Route um einen Tunnel unter der Zitadelle hindurch handelte, durch dem neben einem kleinen Kanal auch ein Fuß- und ein Radweg führt.
Danach ging's weiter am Doubs entlang.
Und weiter... Das Wetter meinte es gut mit mir, eher bewölkt als sonnig.
Bei einer ersten Rast an einem Angelplatz für Behinderte fing es sogar an, leicht zu regen.
Die Café-Lage auf der Strecke war eher prekär, so dass ich nach einiger Zeit beschloss, lieber eine zünftigen Brotzeit mit Hausmitteln zu machen.
Die Landschaft wurde auffallend weniger bergig.
Geradezu flach mit Dörfern am Wegesrand.
Nach wie vor ist der Doubs zumindest z.T. kanalisiert oder vom Kanal begleitet.
Doch plötzlich ging es dann weg vom Fluß und einen Kilometer steil den Berg hinauf (von wegen alles flach!). Wofür man allerdings mit wunderschöner Aussicht über's Land belohnt wurde. Nachdem es wieder runter ging, war dann allerdings der Radweg gesperrt und die Umleitung führte über den nächsten Berg, diesmal nicht ganz so steil, dafür auf einer gut befahrenen Landstrasse.
Aber schließlich wieder am Fluss ...
... der auch zu einer Rast einlädt.
Kurz vor Dole dann eine echte Überraschung: Komoot wollte mich diese Treppe hoch schicken. Sie hat zwar eine schmale Fahrrad-Rinne. Aber das Rad mit Gepäck da hoch schieben? Keine Chance! Ich bin dann lieber ein paar Kilometer mehr gefahren.
Schließlich: Dole
Dole liegt direkt am Doubs, aber natürlich geht es vom Fluss erstmal steil hoch in die Stadt. Den Jahrhunderte währenden Kampf mit Besançon, die bedeutenste Stadt der Freigrafschaft Burgund (Franche-Comte) zu sein, hat Dole sicherlich verloren, aber das Städtchen hat durchaus seinen Reiz. Ich wollte hier einen Tag bleiben: Waschtag. Zudem wollte ich im Decathlon des Ortes eine neue Gaskartusche erwerben und einige Beutel, um meine Reiseküche aus der einen Vorderradtasche in eine Hinterradtasche verfrachten zu können. Ich hoffte mit weniger Gewicht auf den Vorderrädern wieder mehr Wendigkeit zu bekommen, was angesicht der oft engen Kurven französischer Radwege (vor allem in den Städten) nicht schlecht wäre.
Wenn man die Stadt erklommen hat, landet man unweigerlich auf dem zentralen Place de Gravy, ...
... von dem auch die Haupt-Einkaufsstrasse ab geht. Aber der Decathlon liegt natürlich außerhalb der Stadt in einem gigantischen Centre Commercial: Kreisverkehr reiht sich an Kreisverkehr, und dazwischen endlose Riesenläden, von denen ich zumeist noch nicht einmal den Namen gehört hatte.
Nach erfolgreichem Einkauf und einem Cafe am Place de Grevy ging's dann wieder raus aus Dole.
Vom Ufer noch mal einen Blick auf die Stadt.
Am nächsten Tag wieder am Kanal entlang Richtung Saône.
Vorbei an netten Anwesen, wie hier in Choisey, ...
... durch kleine Orte...
... immer weiter, ...
... dann am Wegesrand ein kleiner Café- und Eisverkauf ...
... und schließlich: Die Mündung des Rhein-Rhône-Kanals in die Saône.
Jetzt ging's weiter an der Saône entlang.
St. Jean de Losne
Manchmal führt der Weg aber auch weg vom Fluss (Schatten!)
Kurz vor Seurre hatte Komoot dann eine interessante Abkürzung im Sinn. Der Weg führte zwar nicht wirklich auf die Autobahn, dies war nur der Zubringer, aber er führte auf eine viel befahrene Landstrasse mit viel LKW. Ich musste mal wieder umplanen.
Dann wieder am Fluss entlang, ...
... und durchs Hinterland.
Noch mehr Hinterland und viel Sonne, denn in Chazelle verläßt der Radweg die Saône, um durchs Hinterland wieder zum Doubs zu gelangen, der vom Westen kommend noch auf seinem Weg zur Saône ist.
Da kommt es durchaus gelegen, dass in Saunieres, wo der Radweg auf den Doubs trifft, ein kleines Radlercafé am Fluß zu Pause und Panaché lädt (eine Art franz. Radler, den ich hier zum ersten Mal kennen- und benennen lerne).
Schließlich Verdun sur le Doubs, der Ort, an dem auch der Doubs in die Saône mündet.
Verdun City Center. Viel mehr war da nicht, nur am anderen Ende noch ein Supermarkt - und natürlich mein einfacher, aber schöner Zeltplatz direkt an der Saône gelegen!
Am nächsten Tag wieder weiter die Saône entlang...
... oder durchs Hinterland..
... bis nach Chalon sur Saône. Der Radweg führt vom Hinterland in die Stadt, durch schier endlose und eher häßliche Neubau-Gebiete. Drinnen ist die Stadt dann aber doch ganz nett.
Und lud sogar zum Kaffee-Trinken ein.
Blick vom Ufer. Das wäre doch ein anderes Entré gewesen.
Weiter ging's zunächst über die Landstrasse...
.... dann über eine alte Eisenbahntrasse...
... und schließlich wieder an der Saône entlang nach Tournus.
Aber kurz vorm Ziel noch ein nettes Radler-Café direkt en route.
Tournus zeichnet sich übrigens dadurch aus, dass sich die Bewohner in den 2010er Jahren vehement gegen die Errichtung eines Centre Commercial vor den Toren der Stadt ausgesprochen und zur Durchsetzung dieses Willens auch den amtierenden Stadtrat gestürzt haben.
Am nächsten Tag weiter nach Süden, weiter an der Saône entlang.
Da Tournus zwar kein Centre Commercial, aber doch einen Supermarkt hatte, konnte ich bei Saône-Kilometer 100 (also noch 100 km bis Lyon) eine erste Rast mit süßem Gebäck machen.
Weiter ging's...
... und plötzlich eine echte Rarität auf dieser Tour: Eine Bank im Schatten! Das verlangte natürlich die nächste Pause!
Eine Weile später: Mâcon.
Ich machte eine Besichtigung im Schnelldurchlauf, was der schönen Stadt sicher nicht gerecht wird.
Viele enge Gassen, aber autofrei...
... eine beeindruckende Polizeipräfektur...
... und viele kleine Plätze.
Uferpromenade, die zum Kaffee einlud, ...
... mit Blick auf den Fleischmarkt. (Ich hätte das ohne die Internet-Hilfe meiner Tochter allerdings nicht erkannt.)
Nach Mâcon war dann allerdings Schluss mit lustig. Zunächst ging's 1,5 km über eine gut befahrene Landstrasse und der Radweg an der Saône, der dann kam, war eine Schotterpiste mit vielen Schlaglöchern. Nicht wirklich Genußradeln!
Nach vielleicht 10 km zudem: Route Barrée, Weg gesperrt! Erst war noch eine Umleitung ausgeschildert, aber als die den Radweg wieder erreichte, erneut: Route Barrée. Und diesmal hatte man auf das Umleitungsschild verzichtet. Nach kurzer Zeit fanden sich drei Radlergruppen ein, u.a. eine französische Familie mit zwei Kindern und zwei Anhängern, alle auf ihren Handys eine mögliche Ausweichroute suchend. Die, für die wir uns entschieden, war wohl die richtige, jedenfalls gab's nach der Hälfte der Strecke auch wieder Schilder, war aber nicht unbedingt das, was man gemeinhin als Radweg bezeichnen würde.
Irgendwann dann aber doch: Der Camping in Thoissey, der sich als riesig erwies (größer jedenfalls als der Ort selbst): Ein Urlaubsparadies mit Swimmingpool, Restaurant und Karaoke-Abend.
Urlaub an der Côte du Saône. Dies ist übrigens ein biére blonde.
Am nächsten Tag ging's wieder auf die Schotterpiste, anfangs immerhin im Schatten.
Allerdings war das mit dem Schatten ...
... eher durchwachsen.
Immer wenn der Weg an Orten vorbei führte, war er asphaltiert.
... dann wieder eher ein kaum befahrbarer Waldweg.
Trevoux
Kurz hinter Trevoux dann das Radler-Café, das mir schon von dem ähnlichen Betrieb vor Tournus empfohlen worden war. Man kannte sich tatsächlich.
Einer der Mitarbeiter war allerdings schockiert, sein Fahrrad plötzlich beladen vor dem Café stehen zu sehen. Wie sich herausstellte, hatte er ein Rad in derselben schönen Farbe wie meins. "Endlich jemand mit gutem Geschmack!", meinte er, als er die Verwechslung bemerkte. D'accord!
Und einige Kilometer später wieder mal Route Barrée. Auch hier war zunächst eine Umleitung durch ein Industriegebiet ausgeschildert, die wieder an so einem Schild endete, diesmal ohne Umleitungshinweis. Ich bin dann einfach durch die Baustelle gefahren, war auch nicht viel schlechter als der Schotter!
Neuville sur Saône
Kurz danach geht der Radweg an der Landstraße entlang und ist auch wieder asphaltiert.
Ich hatte eigentlich noch einmal vor Lyon übernachten wollen, aber auf dem asphaltierten Weg fuhr es sich so prima, dass ich doch glatt an dem Ort vorbei gefahren bin!
Und plötzlich lag Lyon vor mir.
Die Radwege in Lyon waren für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Meist, aber nicht immer, werden beide Richtungen zusammen neben dem Autoverkehr geführt, mal auf der linken, mal auf der rechten Seite der Strasse. Und so ging's flott quer durch's Zentrum zu meinem Zeltplatz, von dem ich ja eigentlich gedacht hatte, dass er im Zentrum läge. Aber Saint Genis Laval liegt schon deutlich südwestlich des Zentrums und (wie könnte es anders sein?) steil den Berg hinauf, d.h. eigentlich waren es eher zwei Berge (und beim zweiten war mal wieder Schieben angesagt).
Mehr Fotos wird's also nur geben, wenn ich mich doch noch mal aufraffe, runter in die Stadt (und dann später eben auch wieder hoch) zu fahren. Eigentlich habe ich ja alles schon bei der Durchfahrt gesehen - und es ist wirklich eine unerwartet schöne Stadt!
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